25.02.2021

Ministerin Scharrenbach: Die Römer und Nordrhein-Westfalen – Archäologische Landesausstellung erweckt alte Römer wieder zu neuem Leben

Bau

Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung teilt mit:

Das Römische Reich hat viele sichtbare Spuren in Nordrhein-Westfalen hinterlassen. Bis heute fasziniert die römische Geschichte im einwohnerstärksten Bundesland der Bundesrepublik Deutschland Jung und Alt.

„Ob durch Städte, Straßen oder Bauten – knapp 500 Jahre haben die Römer Nordrhein-Westfalen geprägt. Das ist bis heute nahezu überall sichtbar. Deshalb ist es Zeit, dem römischen Erbe eine Archäologische Landesausstellung zu widmen. Mit viel Herzblut und Engagement wird die Archäologische Landesausstellung vorbereitet: Von September 2021 bis Oktober 2022 wird an vielen Orten in Nordrhein-Westfalen die Geschichte wieder zum Leben erweckt. Bereits jetzt laden wir ein: Entdecken Sie www.roemer.nrw !“, sagt Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Alle Römer-Fans erwarten derzeit sehnsüchtig die Entscheidung der UNESCO-Welterbekommission, ob der Niedergermanische Limes in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wird. Das Rheinland war für die Kaiser des Römischen Reiches und ihre Legionen von zentraler Bedeutung. Eine der wichtigsten Grenzen des Imperium Romanum war der Niedergermanische Limes. 385 Kilometer lang reichte er von Remagen bis Katwijk und bestand mehr als 400 Jahre. „Wenn die UNESCO-Welterbekommission ‚ja‘ sagt, bekommt Nordrhein-Westfalen ein sechstes Weltkulturerbe: Das unterstreicht die Bedeutung unseres historisch-kulturellen Erbes für die heutigen und zukünftigen Generationen. Spektakuläre Entdeckungen durch gezielte Forschungen haben diesen wertvollen Bestand in den letzten Jahren noch einmal deutlich erweitert. Archäologie ist eben auch Zukunftsforschung“, führt Ministerin Scharrenbach aus und bedankt sich bei allen engagiert Mitwirkenden.

„Roms fließende Grenzen“ ist eine gemeinsame Veranstaltung des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, der Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL), dem Landesverband Lippe und der Stadt Köln. Die „Archäologische Landesausstellung Nordrhein-Westfalen“ präsentiert faszinierende neue Forschungsergebnisse zum Leben am und mit dem Niedergermanischen Limes. Unter dem Titel „Roms fließende Grenzen“ machen sechs Museen an den fünf Ausstellungsstandorten Detmold, Xanten, Bonn, Haltern am See und Köln mit spektakulären Neufunden, Modellen und Aktionen den Alltag in der Provinz Niedergermanien und den angrenzenden Gebieten aus fünf Perspektiven lebendig. Die Landesaustellung findet von September 2021 bis Oktober 2022 statt. Bereits jetzt bietet die neue Internetseite www.roemer.nrw Wissenswertes rund um die Römerzeit in Nordrhein-Westfalen.

Henriette Reker, Oberbürgermeisterin der Stadt Köln: „Es freut mich sehr, dass sich die Archäologische Landesausstellung ‚Roms fließende Grenzen‘ der römischen Archäologie und Geschichte Nordrhein-Westfalens widmet. Denn Köln ist die einzige Millionenstadt Deutschlands, die auf eine 2000-jährige Stadtgeschichte zurückblicken kann. Die Römer haben unsere geschichtsträchtige Stadt mit ihren technischen und kulturellen Errungenschaften geprägt. Bis heute kann man dieses reiche antike Erbe, auf das die Kölnerinnen und Kölner so stolz sind, an vielen Stellen im modernen Stadtbild bewundern. ‚Rom am Dom‘ lautet der schöne Untertitel unserer Kölner Ausstellungsstation, der an die tragende Rolle der COLONIA als ehemaliger Hauptstadt Niedergermaniens erinnert und diese für uns wieder erlebbar macht.“

Ulrike Lubek, Verbandsdirektorin des Landschaftsverbands Rheinland (LVR): „Das reiche kulturelle Erbe im Rheinland ist eng mit der Archäologie verwoben. Der LVR wirkt mit seinen Archäologinnen und Archäologen aktiv mit, dass dieses Vermächtnis kompetent erforscht, erhalten und präsentiert wird. Somit ist die Landesausstellung ‚Roms fließende Grenzen‘ gewissermaßen eine ‚Leistungsschau‘, die hoffentlich viele Menschen begeistern wird – auch über das Rheinland hinaus.“

„Wenn Varus nicht vor 2.000 Jahren verloren hätte, gäbe es heute keinen Niedergermanischen Limes und keine Landesausstellung. Erst, dass die Invasion Roms nach Westfalen so schiefging, hat den Rhein zur Grenze des Imperium Romanum gemacht. Wir freuen uns sehr, dass nun das LWL-Römermuseum um eine Attraktion reicher wird. Wir werden Haltern ein Update verpassen: ‚Rom in Westfalen 2.0‘. Unsere Besucherinnen und Besucher sind Hauptdarsteller eines Szenarios, in dem der wichtigste Stützpunkt des Römischen Reiches – Aliso, wie es in römischer Zeit hieß – untergeht“, sagt Matthias Löb, Verbandsdirektor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL).

„Lippe ist eng mit dem Thema der Landesausstellung verbunden: Archäologische Funde zeigen, dass die Römer weit nach Germanien hineinwirkten. Unser Landesmuseum wird das Thema aus germanischer Perspektive beleuchten, der Limes als Grenze ist dabei der Ausgangspunkt. Mit diesem Ansatz wollen wir das kulturelle Phänomen der Grenzen ansprechen, das aktueller nicht sein könnte“, freut sich Jörg Düning-Gast, Verbandsleiter des Landesverbands Lippe, auf die Landesausstellung.

Dr. Erich Claßen, Leiter der LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland: „Uns war es ein besonderes Anliegen, die Ergebnisse jahrzehntelanger Forschungen zur römischen Kaiserzeit auf beiden Seiten des Rheins in ansprechender Form zu präsentieren. Im Fokus stehen aufgrund der erwarteten Ernennung des Niedergermanischen Limes zum UNESCO-Welterbe die neu entdeckten Militärlager. Zudem ist es uns aber auch wichtig, vom Leben und Alltag der Menschen an dieser ganz besonderen Grenze zu erzählen.“

„Im LWL-Römermuseum wird nicht nur die Dauerausstellung aktualisiert und um neueste Funde wie einen fantastisch erhaltenen Dolch bereichert. Höhepunkt ist ein neues Gebäude im Außengelände, auf der Römerbaustelle Aliso. Ein Wachhaus, das wir originalgetreu wiederaufbauen. Und wir werden dort einen Escape Room einrichten, in dem die Besucher:innen die letzten Tage von Aliso nacherleben können. Wenn dann noch draußen die museumseigene Römercohorte vorbeistapft, ist die Zeitreise perfekt“, kommentiert Prof. Dr. Michael Rind, Direktor der LWL-Archäologie für Westfalen.

Prof. Dr. Marcus Trier, Leiter der archäologischen Denkmalpflege der Stadt Köln: „Großartig, dass Köln trotz der Sanierung des Stammhauses des Römisch-Germanischen Museums am Dom Station der traditionsreichen Archäologischen Landesausstellungen des Landes Nordrhein-Westfalen wird. Die Ausstellung ‚Rom am Dom‘, die wir gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen des MiQua entwickeln, widmet sich dem antiken Köln in der Blüte seiner Entwicklung. Römisches Leben spiegelt sich in Denkmälern wie der römischen Stadtmauer oder den Fundamenten des Statthalterpalastes unter dem Historischen Rathaus, aber auch in unzähligen Funden, die bei Ausgrabungen ans Tageslicht kommen. Die Kölner Ausstellung wird altbekannte und neue Funde zusammenführen und vom Glanz der COLONIA erzählen.“

 

Überblick über die Orte, Themen und Highlights der „Archäologischen Landesausstellung“

Detmold:

  • Ausstellung: „Grenzüberschreitung am Limes“
  • Ausstellungszeitraum: 24.09.2021 – 27.02.2022
  • Aus germanischer Sicht erzählt das Lippische Landesmuseum Detmold spannende Geschichten von grenzüberschreitenden Kontakten zu den Römern.
  • Ausstellungsort: Lippisches Landesmuseum Detmold, Ameide 4, 32756 Detmold, www.lippisches-landesmuseum.de

Xanten:

  • Ausstellung: „Der Limes am Niederrhein“
  • Ausstellungszeitraum: 30.09.2021 – 16.10.2022
  • Im LVR-Archäologischen Park und Römermuseum Xanten gibt es neben der Sonderausstellung einen neuen Themenpavillon zum Niedergermanischen Limes und Schiffsnachbauten zu entdecken.
  • Ausstellungsort: LVR-Archäologischer Park Xanten / LVR-RömerMuseum, Trajanstraße 10, 46509 Xanten, www.apx.lvr.de

Bonn:

  • Ausstellung: „Leben am Limes“
  • Ausstellungszeitraum: 25.11.2021 - 29.05.2022
  • Das LVR-LandesMuseum Bonn stellt die Vielfalt der Menschen und Kulturen am Niedergermanischen Limes vor. Ausgewählte archäologische Funde und ein interaktives Limesmodell machen das Leben am Rhein vor 2000 Jahren lebendig.
  • Ausstellungsort: LVR-LandesMuseum Bonn, Colmantstraße 14-16, 53115 Bonn, www.landesmuseum-bonn.lvr.de

Haltern am See:

  • „Rom in Westfalen 2.0“
  • Ausstellungszeitraum: 25. März 2022 – 30. Oktober 2022
  • Die originalgetreue Rekonstruktion eines Wachhauses am Tor macht im LWL-Römermuseum Haltern die vergeblichen Eroberungsversuche der Römer in Westfalen sichtbar. Hautnah erleben können Besucher sie im neuen „Escape Room“.
  • Ausstellungsort: LWL-Römermuseum, Weseler Straße 100, 45721 Haltern am See, www.lwl-roemermuseum-haltern.de

Köln:

  • Ausstellung: „Rom am Rhein“
  • Ausstellungszeitraum: 29.04.22 – 09.10.2022
  • Digitale Rekonstruktionen und monumentale Funde lassen in Köln die Hauptstadt der Provinz Niedergermanien, das „Rom am Rhein“, wieder auferstehen.
  • Ausstellungsort: Kulturzentrum am Neumarkt, Cäcilienstraße 29-33, 50676 Köln (Ausstellungsplanung durch Römisch-Germanisches Museum der Stadt Köln und MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln)

 

Hintergrund: Welterbe-Antrag Niedergermanischer Limes

Der Niedergermanische Limes war eine der wichtigsten Grenzen des Römischen Reiches. 400 Kilometer lang reichte er von Remagen in Rheinland-Pfalz bis Katwijk (Niederlande) an der Nordsee. Entlang dieser Flussgrenze reihten sich zahlreiche Kastelle, Wachttürme und Legionslager auf. Daraus entstanden sind bedeutende Städte und vielfältige Kulturlandschaften. Nordrhein-Westfalen verfügt über einen bedeutenden Abschnitt dieser Grenze mit hochrangigen archäologischen Denkmälern und Fundstellen. Sie prägen die Region am Rhein noch heute und sind gerne und viel besuchte Orte.

Der Niedergermanische Grenzabschnitt ist Teil einer internationalen, zusammenhängenden Einheit, die in Teilbereichen (Hadrians- und Antoninuswall in Großbritannien, Obergermanisch-Raetischer Limes in Deutschland) bereits als UNESCO-Welterbestätte „Grenzen des Römischen Imperiums“ anerkannt wurde. Das vom UNESCO-Welterberat genehmigte Konzept sieht ausdrücklich vor, weitere Abschnitte als Welterbe einzutragen. Nach der Einreichung des Welterbe-Antrages in Paris im Januar 2020 mit nachfolgender Prüfung soll im Sommer 2021 durch die UNESCO-Kommission über die Eintragung der Teilbereiche in den Niederlanden, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen entschieden werden.

 

Hintergrund zur Internetseite www.roemer.nrw:

Erstmalig bündelt das Land Nordrhein-Westfalen alle Informationen zur römischen Geschichte in unserem Bundesland auf einer Internetseite:

Mit der Internetseite www.roemer.nrw bietet das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen Kommunen, Museen und privaten Initiativen die Möglichkeit, Fundstätten, museale und sonstige Freizeitangebote und Veranstaltungen rund um das Thema Römer in Nordrhein-Westfalen interessierten Bürgern zu präsentieren. Das Angebot wird in Zusammenarbeit mit den lokalen Trägern laufend weiterentwickelt und ausgebaut.