Symbolfoto Barrierefreies Wohnen

Barrierefreies Bauen

Mit der neuen Landesbauordnung sind Wohnungen in Gebäuden ab der Gebäudeklasse 3 barrierefrei und eingeschränkt für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer nutzbar.

Mit der am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen und am 2. Juli 2021 geänderten Landesbauordnung hat in Nordrhein-Westfalen ein Paradigmenwechsel im Wohnungsbau eingeleitet: Wohnungen in Gebäuden ab der Gebäudeklasse 3 müssen im erforderlichen Umfang barrierefrei sein. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen betrachtet das selbstständige und selbstbestimmte Wohnen als wesentlichen Baustein einer modernen und auf alle Menschen ausgerichteten Wohnungsbaupolitik.

Damit hat die Landesregierung Nordrhein-Westfalen eine vielerorts gelebte Praxis umgekehrt: Wohnungen werden künftig so gebaut, dass die Barrierefreiheit als universales Gestaltungsprinzip Einzug in den Wohnungsbau hält.

Die bauordnungsrechtlichen Vorschriften schaffen die Voraussetzung für eine ungehinderte Teilnahme von Personen mit Kleinkindern, Lebensälteren und ggf. in ihrer Mobilität eingeschränkten Personen am gesellschaftlichen Leben und verfolgen zugleich das Ziel, einen Ausgleich zwischen den Zielen der Bezahlbarkeit von Wohnraum und der Barrierefreiheit zu erreichen.

Die „Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen Nordrhein-Westfalen“ (VV TB NRW) ist am 1. Juli 2021 in geänderter Fassung in Kraft getreten. Mit der Einführung der DIN 18040-2 als Technische Baubestimmung in Nordrhein-Westfalen besteht ein gültiges technisches Regelwerk, in dem die bauordnungsrechtlichen Mindestanforderungen an die Barrierefreiheit im Wohnungsbau verankert sind.

Zur besseren Nachvollziehbarkeit der in Nordrhein-Westfalen geltenden Vorschriften wurde ein Praxisleitfaden als Arbeitshilfe und insofern als Unterstützung für die Bau-herrschaften, Planenden und Behörden erarbeitet.

Weitere Informationen: 

Versorgung mit Wohnraum für rollstuhlnutzende Menschen

Zielvereinbarungen schaffen rollstuhlgerechten Wohnraum

Mit Städten in Ballungsräumen und Universitätsstädten wie Köln, Bonn und Münster werden Zielvereinbarungen geschlossen, die den Neubau von rollstuhlgerechtem Wohnraum beinhalten und mit Mitteln der Wohnraumförderung finanziert werden.

Dadurch wird die Schaffung von Wohnraum für Rollstuhlnutzende für ein selbstbestimmtes Leben in unserem Land planbar. Zudem kommt Routine in die Planung und den Bau von rollstuhlgerechtem Wohnraum, die wiederum Städte und auch das Land in die Lage versetzt, mit der tatsächlichen Nachfrage und dem speziellen Wohnraumbedarf praxisnäher umgehen zu können.

Öffentliche Wohnraumförderung ermöglicht seit vielen Jahren den Bau von rollstuhlgerechtem Wohnraum

Auch außerhalb von Ballungsräumen und Universitätsstädten kann mit Hilfe der öffentlichen Wohnraumförderung dort rollstuhlgerechter Wohnraum errichtet werden, wo ein entsprechender Bedarf besteht.

Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung stellt bereits seit vielen Jahren ein entsprechendes Zusatzdarlehen über die NRW.BANK bereit. Es werden zum einen die Grundpauschalen für den Wohnflächenmehrbedarf berücksichtigt und zum anderen pauschalierte Zusatzdarlehen gewährt, wenn die technischen Vorgaben der Wohnraumförderungsbestimmungen umgesetzt werden. Je nach konkreter Ausstattung, Größe und Lage liegen die zusätzlichen Förderdarlehen für rollstuhlgerechten Wohnraum bei über 26.000 Euro verbunden mit Tilgungsnachlässen von ungefähr 9.000 Euro. Damit werden die höheren Baukosten ausgeglichen, die durch die besonderen Ausstattungsmerkmale und die höheren Standards entstehen.

Eine baurechtlich vorgesehene Quote beim Neubau von Wohnraum hält die Landesregierung nicht für sachgerecht, da dies insgesamt zu einer Verteuerung von Wohnraum für alle geführt hätte.

Im Gegensatz zu starren flächendeckenden Quotenvorgaben wird mit Hilfe der Zielvereinbarungen und Mitteln der Wohnraumförderung zielgenau und wirtschaftlich ausgeglichen dort rollstuhlgerechter Wohnraum geschaffen, wo tatsächlicher Bedarf besteht.

Mit der Einführung der DIN 18040-2 als Technische Baubestimmung wird für alle am Bau Beteiligten Transparenz und Klarheit geschaffen

Nordrhein-Westfalen hat gerade im öffentlich-geförderten Wohnungsbau sehr gute Erfahrungen mit den dort geltenden Regelungen zum barrierefreien Bauen gemacht.

Übrigens: Jede Wohnung, die mit öffentlicher Förderung in Nordrhein-Westfalen gebaut wurde, ist heute bereits barrierefrei und eingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar.

Mit der Einführung der DIN 18040-2 als Technische Baubestimmung, die zusammen mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen erarbeitet werden wird, gibt es endlich eine Klarstellung und eine Einführung der Barrierefreiheit als Mindeststandard (barrierefrei und eingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar) für Wohnbauvorhaben in Nordrhein-Westfalen.

Einen Praxisleitfaden zur DIN 18040-2 finden Sie hier: Praxisleitfaden zu den bauordnungsrechtlichen Anforderungen bzgl. des barrierefreien Bauens bei Gebäuden der Gebäudeklasse 3 bis 5 mit Wohnungen (PDF, 10,7 MB)

Ein landesweiter Aktionstag „Wohnungen fürs Leben“ bringt alle am Bau Beteiligten sowie Nutzerinnen und Nutzer zusammen

In 15 von 16 Bundesländern wurde die DIN 18040-2 (Wohnungen) als Nachfolge-DIN für 18025 und 18026 als Technische Baubestimmung eingeführt, nur in Nordrhein-Westfalen nicht. Mit der Einführung der DIN 18040-2 als Technische Baubestimmung, die zusammen mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen erarbeitet wird, gibt es endlich eine Klarstellung sowie Einführung der Barrierefreiheit als Mindeststandard (barrierefrei und eingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar) für Wohnbauvorhaben in Nordrhein-Westfalen.

Auch der über den Mindeststandard hinausgehende „R-Standard“ (rollstuhlgerechte Wohnungen) wird so für das Land Nordrhein-Westfalen transparent normiert werden.

Angebot und Nachfrage sollen zusammengeführt werden

Während auf der einen Seite mobilitätseingeschränkte Menschen über nicht vorhandenen bedarfsgerechten Wohnraum berichten, steht auf der anderen Seite in derselben Stadt rollstuhlgerechter Wohnraum leer. Vielerorts finden Angebot und Nachfrage nicht zusammen. Daher wird die Landesregierung in Kooperation mit den Partnern der „Allianz für mehr Wohnungsbau“ Lösungen erarbeiten, so dass beide Seiten künftig besser zueinander finden.