Westflügel von Corvey mit Westwerkfassade
©MissPassionPhotography / iStock

Kulturelle Giganten

Deutschland beherbergt 46 UNESCO-Welterbestätten. In Nordrhein-Westfalen finden sich gleich fünf davon sowie drei weitere Monumente von nationaler Bedeutung.

Bau

Sie sind die kulturellen Giganten im Denkmalschutz: Der Aachener Dom, die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl, der Kölner Dom, die Zeche Zollverein in Essen und das Kloster Corvey zeigen die hohe Bedeutung und die kulturelle Vielfältigkeit Nordrhein-Westfalens in Bezug auf den Denkmalschutz. Im Jahr 2021 könnte mit dem „Niedergermanischen Limes“ ein sechstes Welterbe in unserem Bundesland dazu kommen. Mit der Aufnahme in die Liste der UNESCO-Welterbestätten wurde der geschichtliche, künstlerische und architektonische Rang dieser Stätten dokumentiert. Darüber hinaus verfügt Nordrhein-Westfalen über zwei Nationale Naturmonumente. Nationale Naturmonumente sind geschützte Gebiete, die laut Bundes- und Landesnaturschutzgesetz aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen und wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit von herausragender Bedeutung sind. Von besonderer Bedeutung für Nordrhein-Westfalen sind zudem das „Hermanns-Denkmal“ in Detmold und das „Kaiser-Wilhelm-Denkmal“ in Porta Westfalica, die an der „Straße der Monumente“ liegen.

UNESCO-Welterbe Aachener Dom

Die Bischofskirche des Bistums Aachen wurde 1978 als erstes deutsches Kulturdenkmal in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Der Dom ist bekannt für seinen einzigartigen Domschatz. Der Aachener Dom hat für die Geschichte und Gegenwart eine besondere Bedeutung: als Grablege Karls des Großen, als Krönungskirche der römisch-deutschen Könige und als Wallfahrtskirche, die alle sieben Jahre Gläubige aus der ganzen Welt anzieht.

Aachener Dom

UNESCO-Welterbe Schlösser Augustusburg und Falkenlust

Die Schlösser in Brühl gehören zu den bedeutendsten Bauwerken des Barocks und Rokokos in Deutschland. Seit 1984 sind sie mit dem Schlosspark UNESCO-Welterbestätten.

Schloss Augustusburg mit Blick auf parkseitige Fassade mit Terrasse und Treppe

UNESCO-Welterbe Kölner Dom

Der Kölner Dom ist seit 1996 als Welterbestätte ausgezeichnet und mit  6,5 Millionen Besuchern jährlich die beliebteste Sehenswürdigkeit Deutschlands. Ein besonderes Ereignis in der jüngsten Geschichte des Kölner Domes war der XX. Weltjugendtag 2005 und der Besuch Papst Benedikts XVI. in Köln.

Kölner Dom

UNESCO-Welterbe Zollverein Essen

Die Zeche und Kokerei Zollverein in Essen sind seit 2001 UNESCO-Welterbe. Seit der letzten Schicht im Jahre 1986 hat sich Zollverein in eine Stätte für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft verwandelt. Das 55 Meter hohe Doppelbockfördergerüst gilt als Symbol für die Zeche.

Förderturm der Zeche Zollverein

UNESCO-Welterbe Kloster Corvey

Das ehemalig Benediktinerkloster Corvey ist seit 2014 UNESCO-Welterbe. Corvey war ein bedeutendes karolingisches Kloster, es verfügte über eine der wertvollsten Bibliotheken des Landes.

Westflügel von Corvey mit Westwerkfassade

Nationales Naturmonument Bruchhauser Steine

In Olsberg-Bruchhausen im Sauerland liegt das bislang einzige Nationale Naturmonument Nordrhein-Westfalens: Das rund 24 Hektar große Gebiet der Bruchhauser Steine. Die Bruchhauser Steine sind ein Boden- und Kulturdenkmal. Die Felsen und Blockfelder sind Lebensraum wild lebender Pflanzen, seltener und gefährdeter Blütenpflanzen, Flechten und Moose.

Bruchhauser Steine

Nationales Naturmonument Kluterthöhle

Seit 2019 hat Nordrhein-Westfalen ein zweites Nationales Naturmonument in Nordrhein-Westfalen. Die Kluterthöhle in Ennepetal ist eine einzigartige Naturerscheinung von bizarrer Schönheit. Die Ausweisung als Nationales Naturmonument unterstreicht ihre bundesweite Bedeutung als naturgeschichtliches Zeugnis und Lebensraum für seltene Tierarten. Zudem besuchen Patienten mit Atemwegserkrankungen oder Allergien die Kluterthöhle, um in der Höhlenluft ihre Beschwerden zu lindern. Die Kluterthöhle hat eine gleich dreifache Bedeutung: Sie ist ein Millionen Jahre altes Zeugnis eines versteinerten Korallenriffs, sie ist Lebensstätte für grundwassergebundene Tierarten und sie ist ein lokaler Publikumsmagnet. Das Millionen Jahre alte, aus mehreren Höhlen bestehende System hat eine Ganglänge von 7.600 Metern.

Felswand der Kluterthöhle

Nationales Monument Hermannsdenkmal bei Detmold

Das Hermannsdenkmal ist eines der bekanntesten Denkmale Deutschlands und ein Monument der Zeitgeschichte. Das Wahrzeichen des Lipperlandes und des gesamten Teutoburger Waldes liegt auf der 386 Meter hohen Grotenburg. Es ist ein beliebtes Ausflugsziel mit mehr als 500.000 Besuchern jährlich.

Hermannsdenkmal

Nationales Monument Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica wurde durch die damalige preußische Provinz Westfalen von 1892 bis 1896 errichtet. Das insgesamt rund 88 Meter hohe Denkmal reiht sich ein in die Reihe der deutschen Nationaldenkmale und markiert das "Tor zu Westfalen".

Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica in der Frontalansicht

Bauliches Erbe

Als Eigentümer steht das Land Nordrhein-Westfalen in der Verpflichtung, sein baukulturelles Erbe zu schützen, zu pflegen und sinnvoll zu nutzen. Darüber hinaus trägt das Land die Bauunterhaltungspflicht für Baulastverpflichtungen, die im Eigentum der Kirchen stehen und kirchlichen Zwecken dienen. Im Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen befinden sich bedeutende Denkmäler aus verschiedenen Kunst- und Bauepochen, darunter die UNESCO-Welterbestätte Schlösser Augustusburg und Falkenlust mit den zugehörigen Parkanlagen in Brühl.

Sonderliegenschaften

Auf dem Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalens hat es insbesondere vom 12. bis zum 14. Jahrhundert zahlreiche Klostergründungen gegeben. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden fast alle mittelalterlichen Klosteranlagen durch Um-, Erweiterungs- und Neubauten vergrößert und in barocken Großformen neugestaltet. Im Zuge der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts ging das Vermögen der Klöster auf den jeweiligen Landesherrn und in der Folgezeit auf den preußischen Staat, dessen (Teil-) Rechtsnachfolger das Land Nordrhein-Westfalen ist, über. Dem Land Nordrhein-Westfalen gehören in der Reihenfolge der Entstehungsjahre unter anderem folgende Kirchen:

  • die ehemalige Stiftskirche der ersten rechtsrheinischen Prämonstratenser Cappenberg in Selm (Anfang des 12. Jahrhunderts),

  • die Doppelkirche in Bonn-Schwarzrheindorf (1148 bis 1151),

  • die ehemalige Zisterzienserkirche Mariä Himmelfahrt in Harsewinkel-Marienfeld (1222 geweiht),

  • die Margarethenkapelle am Wittekindsberg in Porta Westfalica-Barkhausen,

  • die ehemalige Zisterzienser-Abteikirche Sankt Mariä Himmelfahrt in Odenthal/Altenberg (Altenberger Dom), gebaut in den Jahren 1255 bis 1379,

  • die ehemalige Stiftskirche Fröndenberg (1230 bis 1262),

  • das Kloster Marienthal in Hamminkeln, dessen Kirche in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erbaut wurde,

  • die ehemalige Abteikirche in Essen-Werden ,gehört jeweils zur Hälfte dem Land Nordrhein-Westfalen und der Kirchengemeinde. Sie ist in verschiedenen Bauphasen entstanden und stellt sich heute als dreischiffige spätromanische Emporenbasilika (1275 geweiht) mit Vierungsturm und ottonischem Westwerk (10. Jahrhundert) dar,

  • die katholische Pfarrkirche Sankt Andreas in Düsseldorf, ab dem Jahr 1622 durch Herzog Wolfgang Wilhelm für die Jesuiten und zugleich als Hof- und Grabkirche erbaut,

  • die 1627/28 erbaute Wallfahrtskirche auf dem Kreuzberg in Bonn, der 1746 bis 1751 ein Stiegenbau mit triumpfbogenartig ausgebauter Fassade vorgelagert wurde (Heilige Stiege),

  • die Observantenkirche in Münster, 1698 errichtet,

  • die Namen-Jesu-Kirche in Bonn, eine ehemalige Jesuitenkirche vom Ende des 17. Jahrhunderts,

  • die Theresienkirche in Aachen, 1739 bis 1748 von Laurenz Mefferatis errichtet, mit der Ausstattung von Johann Josef Couven,

  • die Wallfahrtskirche Sankt Adelheidis in Bonn-Pützchen, eine ehemalige Karmeliterkirche aus dem 18. Jahrhundert, die nach einem Brand im Jahr 1887 und nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg jeweils wiederaufgebaut wurde.

Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl

Schloss Augustusburg steht seit 1949 als Rechtsnachfolge des Landes Preußen im Eigentum des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Jagdschloss Falkenlust hat NRW 1960 aus Privatbesitz zurückerworben. Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust mit den zugehörigen Park- und Gartenanlagen sind ein kulturhistorisch bedeutendes Denkmal. Die Gesamtanlage wurde 1984 als Gesamtkunstwerk des deutschen Rokoko in die Liste des Welterbes der UNESCO aufgenommen.

https://www.schlossbruehl.de/

Weitere Sonderliegenschaften

  • Zitadelle in Jülich,

  • die Ruinen: Burg Drachenfels, Löwenburg, Burg in Tecklenburg,

  • Hexenturm in Bornheim,

  • Paulusturm in Oelde,

  • Römergrab in Köln-Weiden.

Baulastverpflichtungen

Die Erhaltung von Kirchenbauten ist nicht in jedem Fall einzig eine kirchliche Angelegenheit. Für die sogenannten Patronate trägt das Land Nordrhein-Westfalen die Bauunterhaltungspflicht. Diese „Kirchenbaulast“ gilt für insgesamt 128 Gebäude - zum Beispiel Kirchen, Pfarr-, Küsterhäuser und Wirtschaftsgebäude - die im Eigentum Katholischer oder Evangelischer Kirchengemeinden stehen und kirchlichen Zwecken dienen.

Fast alle Gebäude stellen wertvolle Zeugnisse der Bau- und Kulturgeschichte Nordrhein-Westfalens dar. Zu ihnen gehören herausragende Bauwerke wie zum Beispiel der Mindener Dom oder die romanische Rundkapelle in Drüggelte (Möhnesee-Delecke).