Symbolfoto Prima Klima 1. Unterseite
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1. Gut starten – Ziele und Argumente

Im Gebäudesektor gilt es bis 2030 bundesweit rund 50 Millionen Tonnen CO2 einzusparen. Als bevölkerungsreichstes Bundesland mit einer besonderen Vielfalt der Regionen nimmt Nordrhein-Westfalen eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung und Umsetzung lokaler Strategien zur energetischen Sanierung von Gebäuden und Infrastrukturen ein. Von den rund fünf Millionen Wohnungen in den Stadtquartieren und ländlichen Räumen in Nordrhein-Westfalen stammt der größte Teil aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. So birgt der laufende und anstehende Generationswechsel eine einzigartige Chance der zielgerichteten Erneuerung. Die Quartiere in unseren Städten und Gemeinden sind die lokalen Orte der Identität und damit individuelle Heimat der Menschen in unserem Land. Hier möchte die Arbeitshilfe ansetzen und örtliche Akteure praxisgerecht darin unterstützen, energetische Erneuerung und technische Infrastruktur, Wohnumfeld und Freiräume, Klimaschutz und Klimafolgenanpassung gemeinsam in lokaler Baukultur zusammenzuführen.

 

1.1  Integriert denken – gemeinsam handeln

Auch wenn es scheint, dass die sektoral gegliederten Klimaschutzziele für Gebäude es so vorgeben, ist energetische Sanierung keine isolierte technische Aufgabe. Gebäude stehen im regionalen und städtebaulichen Kontext, sind eingebunden in Infrastrukturen, haben oftmals auch Zeugniswert für die Geschichte eines Ortes, gehören individuellen Eigentümern, Unternehmen und Institutionen und dienen als vielfältige Lebens-, Arbeits- und Kulturorte für die Menschen in unserem Land. So ist es Anliegen und Ziel der Arbeitshilfe, energetische Gebäudesanierung immer in einen integrierten Kontext der Quartierserneuerung zu stellen.

Das Quartier als Maßstab

Ein Quartier stellt einen städtebaulich funktionalen und sozialen Raum unterhalb der Stadtteilebene dar, der in jeder Kommune individuell definiert werden kann. Jedes Quartier hat seine individuellen Eigenarten, die sich zunächst räumlich durch allgemeine städtebauliche Zusammenhänge oder denkmalpflegerische, baukulturelle oder wohnungswirtschaftliche Besonderheiten auszeichnen. Hier bietet sich zuständigen Planungsbehörden der Kommunen und Gebietskörperschaften die Chance, städtebaulichen Erneuerungsbedarf, wohnungswirtschaftliche Problemlagen oder politische Ziele zur Stadt- oder Dorfentwicklung mit Potenzialen energetischer Sanierung zu verbinden. Neben den erweiterten Kommunikationsmöglichkeiten mit Immobilieneigentümern und Mietern lassen sich Konzepte strategisch gut aufeinander abstimmen und zielgerichtet aufeinander aufbauen.

Das Quartier als sozialer Raum

Aber auch soziokultureller Wandel in Quartieren und die demografische Entwicklung bieten gute Ansätze zur Nutzung von Synergien mit energetischer Erneuerung. Altersgerechter Umbau von Gebäuden, Generationswechsel in Quartieren oder Maßnahmen gegen soziale Segregation sind immer auch Anlässe für Sanierung, die sich mit beteiligungsorientierten Konzepten energetischer Quartierserneuerung zielgerichtet steuern lassen. Zuständige Stellen für Stadtentwicklung können gemeinsam mit Akteuren der Wohnungswirtschaft und den sozialen Diensten vor Ort ein gemeinsames Quartierskonzept zum Anlass nehmen, gezielte Gebäudesanierung und soziale Entwicklung eines Quartiers zu verbinden.

Das Quartier als Perspektivraum für Innovationen

Somit geht es nicht allein um die technischen und wirtschaftlichen Energieeinsparpotenziale im Quartier. Chancen entstehen, wenn Projekte im Quartier immer mit möglichen Effekten für Klimaschutz und Klimafolgenanpassung gedacht werden. Integrierte ressortübergreifend erarbeitete Konzepte bilden nicht nur eine zentrale Entscheidungsgrundlage und Planungshilfe für jede Kommune. Sie bieten die Chance, den Menschen in den Quartieren eine Aussicht auf die konkrete Verbesserung von Lebensqualität am Wohnort in Aussicht zu stellen. Dazu gehören neben den Perspektiven des baulichen Klimaschutzes durch Ertüchtigung von Gebäuden auch die räumliche Klimafolgenanpassung und deren Auswirkungen auf die öffentlichen Räume, der Erhalt und die Fortentwicklung von Gebäuden und Orten mit historischer Identität bis hin zu klimaschonender Mobilität.